Vielleicht ist die Führungsrolle an sich nicht das Problem. Vielleicht sind es Unternehmenskultur, Arbeitsorganisation, permanente soziale Anpassung oder ein Umfeld, in dem Ihre Arbeitsweise nicht verstanden wird.
Bevor Sie eine Rolle aufgeben, die Ihnen im Kern liegt, lohnt es sich, genau zu unterscheiden: Was gehört zur Führung – und was nur zu diesem einen Kontext?
Die Frage vor der Entscheidung
Viele neurodivergente Führungskräfte kommen mit einer bereits gefassten Schlussfolgerung: „Ich kann das nicht mehr.“ In der Arbeit zeigt sich dann häufig ein differenzierteres Bild. Nicht die Verantwortung erschöpft, sondern die Meeting-Dichte. Nicht das Führen erschöpft, sondern das Großraumbüro. Nicht die Entscheidungen erschöpfen, sondern die politische Kommunikation um sie herum.
Diese Unterscheidung ist der eigentliche Wert einer begleiteten Neuorientierung. Sie verhindert, dass Sie etwas abgeben, das gut zu Ihnen passt, und dieselben Bedingungen anderswo wiederfinden.
Dieselbe Rolle, anderes Umfeld
Ein anderes Unternehmen, eine andere Branche, eine andere Größenordnung. Kleinere Organisationen mit kurzen Wegen funktionieren für viele neurodivergente Führungskräfte besser als Konzernstrukturen – für andere ist es genau umgekehrt, weil große Organisationen klarere Prozesse und mehr Rückzugsmöglichkeiten bieten. Wir arbeiten heraus, welcher Typ Organisation zu Ihnen passt.
Andere Rolle, gleiche Verantwortungstiefe
Fachliche Führung statt disziplinarischer. Projekt- oder Programmverantwortung statt Linienführung. Expertenlaufbahn, Beratung, Interim-Mandate. Es gibt deutlich mehr Formen von Verantwortung als das klassische Organigramm nahelegt.
Veränderter Zuschnitt der aktuellen Stelle
Manchmal ist der schnellste Weg nicht der Wechsel, sondern die Neuverhandlung: Teamgröße, Aufgabenprofil, Anteil an Repräsentation, Homeoffice-Regelung. Wir bereiten solche Gespräche inhaltlich und strategisch vor.
Selbstständigkeit
Für manche ist der eigene Rahmen die stimmigste Antwort. Was dafür spricht, was dagegen und wie sich das realistisch prüfen lässt, steht auf der Seite zu Selbstständigkeit mit Neurodivergenz
Der Prozess
1 – Standortbestimmung
Wir klären, was tatsächlich belastet und was trägt – getrennt nach Rolle, Aufgaben, Umfeld und Organisation. Dazu gehören Stärken, Energiemuster, Werte und die Bedingungen, unter denen Sie in der Vergangenheit gut gearbeitet haben.
2 – Zielbild
Aus der Analyse entsteht ein konkretes Profil: Welche Art von Rolle, in welcher Art von Organisation, mit welchen Rahmenbedingungen. Kein Wunschzettel, sondern ein Suchraster.
3 – Suchstrategie
Wo finden sich solche Positionen, wie erkennt man passende Kulturen vor dem Einstieg, welche Signale in Stellenanzeigen und Gesprächen sind aussagekräftig.
4 – Bewerbung und Gespräche
Positionierung, Unterlagen und Gesprächsvorbereitung – einschließlich der Frage, ob, wann und wie Sie Ihre Neurodivergenz thematisieren. Diese Entscheidung treffen Sie, wir bereiten beide Varianten vor.
5 – Übergang
Die ersten Monate entscheiden, ob der Wechsel trägt. Wir begleiten den Einstieg, damit sich alte Muster nicht unbemerkt wiederholen.
Was diese Begleitung von allgemeiner Karriereberatung unterscheidet
Klassische Karriereberatung optimiert Ihre Passung zum Markt. Hier geht es zusätzlich um die Passung des Marktes zu Ihnen: um Reizniveau, Kommunikationskultur, Struktur, Vorhersehbarkeit und Autonomiegrad. Das sind für neurodivergente Menschen keine Komfortfragen, sondern Leistungsfaktoren.
Weitere Themen
- ADHS-Coaching für Führungskräfte
- Selbstständig mit Neurodivergenz
- Neurodivergenz im Beruf: Fragen und Antworten